http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767062,00.html
Dass es Kriminelle und Fanatiker gibt, ist nicht das Schlimme daran, denn die finden sich in jedem Land. Das hier ist das wirklich Inakzeptable:
"Dabei handelt es sich häufig aber um nicht mehr als eine kleine Ansammlung von Hütten oder Zelten. Allerdings werden auch immer wieder illegal errichtete Siedlungen im Nachhinein von den israelischen Behörden anerkannt."
Das ist eine klar Botschaft an Siedler, dass sich die Errichtung illegaler Siedlungen lohnt.
Zitat von: mbockstette
07.06.2011 11:04 #73292
Am Sonntag konnten die mit Geld angeheuerten Grenzstürmer noch ungehindert an den syrischen und UN-Kontrollposten vorbei bis an den Grenzzaun gelangen, damit ist jetzt schlagartig Schluss:
Syrian police block new protest at Golan border
Read more: http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-...x#ixzz1OZwPq7Ug
Siehe: #73280
Wenn es stimmt, dass z.Zt. syrische Soldaten Befehle verweigern und desertieren, dann kann Assad vielleicht doch keinen Krieg gebrauchen.
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 11:28 #73295
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767062,00.html
Dass es Kriminelle und Fanatiker gibt, ist nicht das Schlimme daran, denn die finden sich in jedem Land. Das hier ist das wirklich Inakzeptable:
"Dabei handelt es sich häufig aber um nicht mehr als eine kleine Ansammlung von Hütten oder Zelten. Allerdings werden auch immer wieder illegal errichtete Siedlungen im Nachhinein von den israelischen Behörden anerkannt."
Das ist eine klar Botschaft an Siedler, dass sich die Errichtung illegaler Siedlungen lohnt.
Mich wundert , dass das dich wundert !
Es gibt einen Gerichtsbeschluss von vor 8 Jahren welcher die Räumung gewisser , sogar laut israelischem Recht , illegaler Siedlungen verlangt . Geschehen ist bis jetzt rein gar nichts , die Räumung wird einfach nicht durchgeführt . Illegale Palestinenser-Häuser werden dagegen im Handumdrehen abgeräumt .
Siedler werden durch finanzielle Vergünstigungen angelockt , man will einfach Tatsachen vor Ort schaffen , möglichts viele und möglichst schnell .
Zitat von: nahal
07.06.2011 10:43 #73290
Berichte (wieder unbestätigte) sprechen von 14 getötete Palästinenser in Yarmouk.
Tausende sollen gegen die Organisation der "Friedensdemonstration" auf dem Golan.
Auch der "geliebte" Hamas-Führer wurde gezwungen, die Ortschaft zu verlassen.
http://www.haaretz.com/news/diplomacy-de...e-camp-1.366496
Es ist wohl das erste Mal, dass durch israelische Soldaten getötete Palästinenser von ihren eigenen Verwandten als Opfer einer verfehlten Vorgehensweise palästinensischer "Befreiungsbewegungen" betrauert werden. Der bewaffnete palästinensische Widerstand hat ausgedient, seine Legitimität eingebüßt und wird als mitschuldig an der chronischen palästinensischen Misere eingestuft. Der Glaube unter den Palästinensern an den Nutzen fanatischen Märtyrertums als heiliges Mittel zum irdischen Zweck ist am Ende einer langen Sackgasse angelangt.
Merke: Die Palästinenser sind nicht so dumm, wie sie von ihren militanten Interessenvertretern verkauft werden.
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 11:28 #73295
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767062,00.html
Dass es Kriminelle und Fanatiker gibt, ist nicht das Schlimme daran, denn die finden sich in jedem Land. Das hier ist das wirklich Inakzeptable:
"Dabei handelt es sich häufig aber um nicht mehr als eine kleine Ansammlung von Hütten oder Zelten. Allerdings werden auch immer wieder illegal errichtete Siedlungen im Nachhinein von den israelischen Behörden anerkannt."
Das ist eine klar Botschaft an Siedler, dass sich die Errichtung illegaler Siedlungen lohnt.
Diese Art von Vorkommnissen sind darauf zurückzuführen, dass die Hardliner unter den Siedlern erkannt haben, dass sie Samaria und Judäa demnächst endgültig verlassen müssen.
Mit den Groß-Israel-Geistern die Israel in die Westbank gerufen hat wird sich das Land noch sehr schwer tun und einem bitteren Preis für eine verfehlte Politik bezahlen müssen. Mein Bedauern hält sich in Grenzen, denn auch hier gilt: "Wer sich die Suppe eingebrockt hat, der muss sie auch auslöffeln. Da wünsche ich der Regierung Netanjahu/Liberman vorab schon mal: Guten Appetit!
Zitat von: Leto_II.
07.06.2011 11:35 #73297
Wenn es stimmt, dass z.Zt. syrische Soldaten Befehle verweigern und desertieren, dann kann Assad vielleicht doch keinen Krieg gebrauchen.
Sie meinen einen zweiten Krieg, denn der Bürgerkrieg in Syrien hat bereits so gut wie begonnen.
Syria is slipping toward civil war.
http://www.joshualandis.com/blog/
Speichern Sie diesen Link, der führt sie zu einer ergiebig sprudelnden und zuverlässigen Quelle, wo Sie fortlaufend fundierte Auskunft über die syrische Politik erhalten können.
Zitat von: Leto_II.
07.06.2011 11:35 #73297
Wenn es stimmt, dass z.Zt. syrische Soldaten Befehle verweigern und desertieren, dann kann Assad vielleicht doch keinen Krieg gebrauchen.
Al Jazeera aired footage on Tuesday of what it said was a defecting Syrian lieutenant calling on other soldiers to stand up against President Bashar Assad and stop repressing protests against his rule.
The man, who identified himself as First Lieutenant Abdul Razzaq Mohammed Tlas from the town of Rastan in Homs province, said he joined the army "with the aim of protecting the people ... from the Israeli enemy".
Zitat von: nahal
07.06.2011 12:48 #73307
Al Jazeera aired footage on Tuesday of what it said was a defecting Syrian lieutenant calling on other soldiers to stand up against President Bashar Assad and stop repressing protests against his rule.
The man, who identified himself as First Lieutenant Abdul Razzaq Mohammed Tlas from the town of Rastan in Homs province, said he joined the army "with the aim of protecting the people ... from the Israeli enemy".
Ein Tlas nach dem Anderen:
So viel ich weiß hat der Stellvertretende Kommandeur der vierten Panzerdivision, Brigadier Manaf Tlas, unter dem Kommando von Maher Assad, dem Bruder des Präsidenten, seinen Posten verlassen. Die vierte Panzerdivision (Präsidentengarde) ist das Herzstück der syrischen Streitkräfte, sie rekrutiert sich nur aus Alewiten und hat mit ihrem besonders brutalem Vorgehen in Daara, dem Epizentrum des syrischen Aufstands, von sich Reden gemacht.
Our intelligence sources disclose that potential mutiny in the Syrian armed forces was first signaled Sunday, June 5, when Brigadier Manaf Tlas, commander of the 105th Brigade of the elite Republican Guard and deputy of the president's brother Gen. Maher Assad, announced that he and his staff officers were going on strike until Bashar Assad met their demands.
Das ist besonders im Rückblick darauf "belustigend" wenn man bedenkt, dass es auch ein General Mustafa Tlas war (später 32 Jahre lang Verteidigungsminister unter Assad I), der den Assads die Steigbügel bei der Machtergreifung hielt.
MBO 08.12.2005: Wie sagte doch der langjährige vormalige syrische Verteidigungsminister Thlass in einem Spiegel-Interview: "Wir sind mit Gewalt an die Macht gekommen und wir werden nur mit Gewalt von dort wieder vertrieben werden können". Sein Wort könnte bald in Erfüllung gehen. Und was dann folgen könnte, das hat der libanesische Bürgerkrieg gezeigt.
Für Syrien sehe ich schwarz und zwar rabenschwarz.//
Ich behalte immer gerne Recht, nur nicht immer richtig Freude daran.
Zitat MBO vom 08.12.2005: Folgendes Szenario liegt in der Luft über der Levante: "Den Alewiten in Syrien und den Schiiten im Libanon droht der Tag des "2-ten sunnitischen Aufstands" nach dem im Irak. Der backlash der Sunnis wird seinen Ausgang in Syrien nehmen, die alewitische Minderheits-Diktatur hinweg spülen und den Libanon in seinen Strudel ziehen.//
CNN reports, however that the (syrian) Muslim Brotherhood is getting armed and going on the offensive:
http://edition.cnn.com/2011/WORLD/meast/....html?hpt=hp_t2
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 07:41 #73277
Ich kann mit dem Gandhi-Zeug nichts anfangen. Geschwurbel.
Wieso Geschwurbel? Eher überlegt weil pragmatisch, tolerant, uneinseitig und funktional, würde ich sagen.
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 07:41 #73277
Zu dem Witz mit den ital. Panzer: Der zweite Teil fehlt.
Warum haben diese denn einen Vorwärtsgang? Falls der Feind von hinten angreift.
Muhaha!:D Den kannte ich noch gar nicht!
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 07:41 #73277
Und die österreichische Kriegsflagge? Weißer Adler auf weißem Grund.
Ja, auch nicht schlecht. Kannte ich aber schon.
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 07:41 #73277
Und das nächste Mal einen Witz über die Iraner... :-)
Gibt es glaube ich gar nicht. D.h., ich müßte da mal einen Iraner fragen (sind ja schon auch kritisch und ironisch sich selbst gegenüber).
Zitat von: mbockstette
07.06.2011 13:35 #73314
Ein Tlas nach dem Anderen:
So viel ich weiß hat der Stellvertretende Kommandeur der vierten Panzerdivision, Brigadier Manaf Tlas, unter dem Kommando von Maher Assad, dem Bruder des Präsidenten, seinen Posten verlassen. Die vierte Panzerdivision (Präsidentengarde) ist das Herzstück der syrischen Streitkräfte, sie rekrutiert sich nur aus Alewiten und hat mit ihrem besonders brutalem Vorgehen in Daara, dem Epizentrum des syrischen Aufstands, von sich Reden gemacht.
Our intelligence sources disclose that potential mutiny in the Syrian armed forces was first signaled Sunday, June 5, when Brigadier Manaf Tlas, commander of the 105th Brigade of the elite Republican Guard and deputy of the president's brother Gen. Maher Assad, announced that he and his staff officers were going on strike until Bashar Assad met their demands.
Das ist besonders im Rückblick darauf "belustigend" wenn man bedenkt, dass es auch ein General Mustafa Tlas war (später 32 Jahre lang Verteidigungsminister unter Assad I), der den Assads die Steigbügel bei der Machtergreifung hielt.
MBO 08.12.2005: Wie sagte doch der langjährige vormalige syrische Verteidigungsminister Thlass in einem Spiegel-Interview: "Wir sind mit Gewalt an die Macht gekommen und wir werden nur mit Gewalt von dort wieder vertrieben werden können". Sein Wort könnte bald in Erfüllung gehen. Und was dann folgen könnte, das hat der libanesische Bürgerkrieg gezeigt.
Für Syrien sehe ich schwarz und zwar rabenschwarz.//
Ich behalte immer gerne Recht, nur nicht immer richtig Freude daran.
Zitat MBO vom 08.12.2005: Folgendes Szenario liegt in der Luft über der Levante: "Den Alewiten in Syrien und den Schiiten im Libanon droht der Tag des "2-ten sunnitischen Aufstands" nach dem im Irak. Der backlash der Sunnis wird seinen Ausgang in Syrien nehmen, die alewitische Minderheits-Diktatur hinweg spülen und den Libanon in seinen Strudel ziehen.//
CNN reports, however that the (syrian) Muslim Brotherhood is getting armed and going on the offensive:
http://edition.cnn.com/2011/WORLD/meast/....html?hpt=hp_t2
Das ist alles noch sehr undurchsichtig, was da in Syrien tatsächlich abgeht. Der fahnenflüchtige Oberleutnant scheint echt zu sein - schade, dass es keine zuverlässige Übersetzung zu seinem Clip gibt.
Das Ding mit den vermutlich 80 oder 120 toten Polizisten ist nach wie vor undurchsichtig. Ein wenig klarer wird es um die Frage der "palästinensischen Demonstranten" auf dem Golan: eine vom Assad-Regime gesteuerte Aktion.
Was mich im Augenblick allerdings noch mehr interessiert, ist die Frage, wie Herr Erdogan auf das Chaos in Syrien reagiert. Schliesslich hatte er grade noch sich als sozusagen "vätrlicher Freund" Bashirs dargestellt. 2004 war die türkische und syrische Presse voll des Jubels über die endlich beigelegten Konflikte(?) und nun rebellieren die Kurden in Nord-Syrien, syrische Protestler - gar Freunde der Muslim-Brüder - behaupten, sie würden aus der Türkei mit Waffen versorgt. Ich sehe schon, wie sich die Kurden im Nord-Irak die Hände reiben, dass die altverhassten Türken und Syrer sich über ihre jeweiligen kurdischen Minderheiten in die Haare geraten - wahrhaft düstere Aussichten für die Region.
Vielleicht wäre Herr Erdogan doch besser beraten gewesen, an der Koalition mit Israel festzuhalten, anstatt sich mit Assad oder Ahmadinedjad ins Bett zu legen. Beide haben wohl keine längere Verweilzeit. Und wenn doch, dann nur mit bluttriefenden Händen - Blut der eigenen Völker.
Zitat von: Indo1. Wieso Geschwurbel? Eher überlegt weil pragmatisch, tolerant, uneinseitig und funktional, würde ich sagen.
2. Muhaha!:D Den kannte ich noch gar nicht!
3. Ja, auch nicht schlecht. Kannte ich aber schon.
4. Gibt es glaube ich gar nicht. D.h., ich müßte da mal einen Iraner fragen (sind ja schon auch kritisch und ironisch sich selbst gegenüber).
1. Weil die Aussage auf eine Nivellierung der Unterschiede zwischen den Religionen hinausläuft.
2. Wenn das mein Großonkel gelesen hätte... Der war Oberst in der ital. Armee und leitete ein Lager für britische Kriegsgefangene. Er war aber sehr englandfreundlich und deutschlandfeindlich eingestellt.
3. Jo, mei, die Ösis... Was geschieht, wenn ein Ostfriese nach Österreich einwandert? Der Durchschmitts-IQ in Deutschland und Österreich steigt.
4. Nicht einen Iraner fragen - besser einen Türken oder Araber. :-)
Zitat von: GeorgeF
07.06.2011 20:41 #73343
Vielleicht wäre Herr Erdogan doch besser beraten gewesen, an der Koalition mit Israel festzuhalten, anstatt sich mit Assad oder Ahmadinedjad ins Bett zu legen. Beide haben wohl keine längere Verweilzeit. Und wenn doch, dann nur mit bluttriefenden Händen - Blut der eigenen Völker.
Nein, das glaube ich nicht. Innen- wie außenpolitisch ist diese Konstellation für Erdogan vorteilhafter. (Wobei sein vermutlich innenpolitisch motiviertes Israel-Bashing sicher nicht hilfreich ist.) Die Intensivierung der Beziehungen zu Iran und den arabischen Ländern öffnet der Türkei eine machtpolitische Perspektive, die Israel - nüchtern betrachtet - nicht bieten kann.
Und wer wäre besser geeignet, sowohl in Libyen als auch in Syrien zu vermitteln als die Türkei? Wer könnte, falls es darauf ankommt, zwischen den westlichen Staaten und Organisationen wie Hamas und Hizbollah herstellen, wenn nicht die Türkei? Erdogan mag nicht der sympathischste Mann sein - welcher Politiker ist das schon? -, aber seine Innen- und Außenpolitik ist insgesamt nicht schlecht. Die bisherigen Erfolge geben ihm jedenfalls recht.
Zitat von: Indogermane_HS
07.06.2011 01:32 #73275
---
Gibt es glaube ich gar nicht. D.h., ich müßte da mal einen Iraner fragen (sind ja schon auch kritisch und ironisch sich selbst gegenüber).
Es gibt nichts, was es nicht gibt.
:)
Ein Ausländer der nach Iran gereist ist besucht eine Moschee und sieht es wird dort Essen ausgeteilt. Er fragt: wird hier denn nicht gebetet?
Die Iraner antworten: wenn du beten willst dann geh zur teheraner Universität.
Ausländer: studieren da denn nicht die Studenten?
Iraner: wenn du die Studenten und Intellektuellen sehen willst dann geh ins Evin Gefängnis.
Ausländer: Aber werden da denn nicht die Diebe, Mörder und Vergewaltiger festgehalten?
Iraner: geht’s dir noch gut? Und wer soll dass Land regieren?
Zitat von: RagnarLodbrok
07.06.2011 21:49 #73352
Es gibt nichts, was es nicht gibt.
:)
Ein Ausländer der nach Iran gereist ist besucht eine Moschee und sieht es wird dort Essen ausgeteilt. Er fragt: wird hier denn nicht gebetet?
Die Iraner antworten: wenn du beten willst dann geh zur teheraner Universität.
Ausländer: studieren da denn nicht die Studenten?
Iraner: wenn du die Studenten und Intellektuellen sehen willst dann geh ins Evin Gefängnis.
Ausländer: Aber werden da denn nicht die Diebe, Mörder und Vergewaltiger festgehalten?
Iraner: geht’s dir noch gut? Und wer soll dass Land regieren?
:-))
Gefällt mir gut!
Zitat von: GeorgeF
07.06.2011 20:41 #73343
Das ist alles noch sehr undurchsichtig, was da in Syrien tatsächlich abgeht. Der fahnenflüchtige Oberleutnant scheint echt zu sein - schade, dass es keine zuverlässige Übersetzung zu seinem Clip gibt.
Das Ding mit den vermutlich 80 oder 120 toten Polizisten ist nach wie vor undurchsichtig. Ein wenig klarer wird es um die Frage der "palästinensischen Demonstranten" auf dem Golan: eine vom Assad-Regime gesteuerte Aktion.
Was mich im Augenblick allerdings noch mehr interessiert, ist die Frage, wie Herr Erdogan auf das Chaos in Syrien reagiert. Schliesslich hatte er grade noch sich als sozusagen "vätrlicher Freund" Bashirs dargestellt. 2004 war die türkische und syrische Presse voll des Jubels über die endlich beigelegten Konflikte(?) und nun rebellieren die Kurden in Nord-Syrien, syrische Protestler - gar Freunde der Muslim-Brüder - behaupten, sie würden aus der Türkei mit Waffen versorgt. Ich sehe schon, wie sich die Kurden im Nord-Irak die Hände reiben, dass die altverhassten Türken und Syrer sich über ihre jeweiligen kurdischen Minderheiten in die Haare geraten - wahrhaft düstere Aussichten für die Region.
Vielleicht wäre Herr Erdogan doch besser beraten gewesen, an der Koalition mit Israel festzuhalten, anstatt sich mit Assad oder Ahmadinedjad ins Bett zu legen. Beide haben wohl keine längere Verweilzeit. Und wenn doch, dann nur mit bluttriefenden Händen - Blut der eigenen Völker.
Diese Erkenntnis scheint auch in Ankara Fuß zu fassen:
Turkey foreign minister urges organizers to reconsider Gaza flotilla
Ahmet Davutoglu says he has advised the IHH to wait and see how the Rafah border crossing has affected Gaza, but cannot stop the group if they disregard his request.
Was nun die Lage in Syrien betrifft, so scheint das Assad-Regime seinen Zenith überschritten zu haben und sich auf einem längeren Weg in die Katakomben zu befinden.
Die Hamas-Zentrale wird in den Gazastreifen verlegt, die Hisbollah schafft ihre High-Tech-Waffen in den Libanon, Erdogan hat seine fast täglichen Telefonate mit Assad eingestellt und seinem Geheimdienstchef angewiesen nicht mehr ein mal wöchentlich nach Damaskus zu reisen um Bericht zu erstatten was die syrische Opposition im Schilde führt. Alles Hinweise darauf, dass die "Löwen" von Damaskus zwar noch brüllen aber ihr Schicksal nicht mehr abwenden können.
Als vorläufig letztes und untrügliches Zeichen dafür. dass Ankara die Seiten gewechselt hat und das Assad-Regime vor dem Aus sieht, dürfte diese Versammlung auf türkischem Boden gelten:
The Final Declaration of the Antalya Opposition Conference
http://www.joshualandis.com/blog/?p=10087
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Obama und Erdogan, Washington und Ankara die Zeichen der Zeit verstanden und sich darauf verständigt haben einem möglichst geordneten Um- und Aufbruch in Syrien bzw. Arabien unter die Arme zu greifen und heute einen mäßigenden Einfluss auf die Opposition/en ausüben und gute Kontakte zu den Regierenden von morgen knüpfen wollen.
Die Gemengenlage der Konflikte in der Region die sich in Syrien überlagern und durchdringen scheinen mir die Folgenden zu sein:
A) Die Arabische Revolution
B) Die Schiitisch-Sunnitische Rivalität
C) Die Kurden-Frage
D) Der Palästinakomflikt
In Syrien überschneiden sie sich all diese Gewaltpotentiale und deshalb, so meine Meinung, will die Staatengemeinschaft sich auch so gut es eben geht aus der hochexplosiven syrischen "Affäre" heraus halten, ob das allerdings noch viel länger gelingen kann ist jedoch stark zu bezweifeln.
Und nicht übersehen werden darf die Tatsache, dass in Syrien auch eine Schlacht gegen den Iran am Laufen ist.
Zitat von: mbockstette
07.06.2011 22:19 #73357
A) Die Arabische Revolution
B) Die Schiitisch-Sunnitische Rivalität
C) Die Kurden-Frage
D) Der Palästinakomflikt
In Syrien überschneiden sie sich all diese Gewaltpotentiale und deshalb, so meine Meinung, will die Staatengemeinschaft sich auch so gut es eben geht aus der hochexplosiven syrischen "Affäre" heraus halten, ob das allerdings noch viel länger gelingen kann ist jedoch stark zu bezweifeln. ...........
Herr Bockstette, Erdogan selbst verkörpert keine laizistische Türkei. In dieser Hinsicht vermag ich zwar eine Verbesserung hinsichtlich der elementarsten Menschenrechte zu sehen, aber nichts Substantielles darüber hinaus.
Außerdem steht die Stoßrichtung des arabischen Frühlings noch nicht fest...
Zitat von: mbockstette
07.06.2011 22:38 #73360
Die Stoßrichtung steht schon fest, Nante, nur das/die Ergebnis/se ist/sind noch offen.
Die Demonstranten wollen mehr Demokratie, mehr Mitbestimmung. Da stimme ich mit Ihnen überein. Aber die Kaperung durch Islamisten ist für mich noch nicht vom Tisch.
Zitat von: mbockstette
07.06.2011 22:38 #73360
Mich beschäftigt in diesem Strang nur die türkische Außenpolitik. Ich bitte um Verständnis.
Klaro. Ich warte erstmal die Flotille ab, bevor ich mir über diese Außenpolitik ein Bild mache.
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 21:37 #73350
Nein, das glaube ich nicht. Innen- wie außenpolitisch ist diese Konstellation für Erdogan vorteilhafter. (Wobei sein vermutlich innenpolitisch motiviertes Israel-Bashing sicher nicht hilfreich ist.) Die Intensivierung der Beziehungen zu Iran und den arabischen Ländern öffnet der Türkei eine machtpolitische Perspektive, die Israel - nüchtern betrachtet - nicht bieten kann.
Und wer wäre besser geeignet, sowohl in Libyen als auch in Syrien zu vermitteln als die Türkei? Wer könnte, falls es darauf ankommt, zwischen den westlichen Staaten und Organisationen wie Hamas und Hizbollah herstellen, wenn nicht die Türkei? Erdogan mag nicht der sympathischste Mann sein - welcher Politiker ist das schon? -, aber seine Innen- und Außenpolitik ist insgesamt nicht schlecht. Die bisherigen Erfolge geben ihm jedenfalls recht.
Das ist die eine Seite der türkischen Medaille, die andere sieht so aus:
Die Türkei fürchtet sich nicht viel weniger vor einer iranischen Atombombe als die Saudis samt Anhang und Israel. Und die Araber wiederum fürchten sich vor dem Erblühen eines neuen Osmanischen Reichs.
So gesehen wird die Türkei auch weiterhin weder eine Allianz mit dem Iran noch mit Arabien zustande bringen können. Und die klammheimliche Versöhnung zwischen Fatah und Hamas hat Ägypten bewirkt und nicht die Türkei, die wurde von dieser Entwicklung genau so kalt erwischt wie Israel. Auch im Libanon, der wieder mit einem Bein im Koma liegt und mit dem anderen auf einen Bürgerkrieg zusteuert, werden die Grenzen positiver türkischer Einflussnahme deutlich aufgezeigt.
Und jetzt haben wir beide Seiten der türkischen Politik-Medaille beleuchtet und dann stellt sich eben doch wieder die Frage von George F.: Ob es für die Türkei ...... mit Israel ......?
Nante: Die Demonstranten wollen mehr Demokratie, mehr Mitbestimmung. Da stimme ich mit Ihnen überein. Aber die Kaperung durch Islamisten ist für mich noch nicht vom Tisch.//
Die Gefahr ist in der Tat noch nicht vom Tisch, aber ich meine, dass selbst die Moslembrüder die Zeichen der Zeit richtig einzuschätzen wissen und sich dem Zeitgeist anpassen werden. Und gegen eine Islamische Demokratische Partei habe ich im Grunde nicht mehr einzuwenden als gegen eine CDU oder CSU und wie sie sonst noch alle heißen.
Zitat von: Maga-neu
07.06.2011 21:37 #73350
Nein, das glaube ich nicht. Innen- wie außenpolitisch ist diese Konstellation für Erdogan vorteilhafter. (Wobei sein vermutlich innenpolitisch motiviertes Israel-Bashing sicher nicht hilfreich ist.) Die Intensivierung der Beziehungen zu Iran und den arabischen Ländern öffnet der Türkei eine machtpolitische Perspektive, die Israel - nüchtern betrachtet - nicht bieten kann.
Und wer wäre besser geeignet, sowohl in Libyen als auch in Syrien zu vermitteln als die Türkei? Wer könnte, falls es darauf ankommt, zwischen den westlichen Staaten und Organisationen wie Hamas und Hizbollah herstellen, wenn nicht die Türkei? Erdogan mag nicht der sympathischste Mann sein - welcher Politiker ist das schon? -, aber seine Innen- und Außenpolitik ist insgesamt nicht schlecht. Die bisherigen Erfolge geben ihm jedenfalls recht.
Wir bewegen uns hier fraglos auf hoch-spekulativem Gebiet. Erdogan mag für gewisse Erfolge stehen, mindestens für die prosperierende Wirtschaft der Türkei. Ob er aber in der Lage ist, das Image der Türkei als Nachfolger des im gesamten MO zu Recht verhassten osmanischen Gewaltregimes zu korrigieren oder gar zu überwinden, dazu fehlt noch die Nagelprobe. Nict zu vergessen: die Türkei war und ist strammes Mitglied der bei etlichn arabischen und sonstigen MO-Staaten verhassten NATO. Nach wie vor "verbindendes" Element der Türkei, des Iran und Syriens ist immer noch die ungelöste Kurdenfrage und solange die Türkei eine derart repressive Politik gegenüber der "Bergtürken" verfolgt, verbindet Syrien, die Türkei und Iran in diesem Punkt nur die gemeinsame kurdische Leiche im Keller - keine tragfähige Basis für eine abgestimmte Politik. Zwischen Türkei, Syrien und Irak gibt es dann noch das bisher ungelöste Problem der Wasserverteilung von Euphrat und Tigris, das die Türkei bisher höchst selbstherrlich behandelt hat - weiterer Sprengstoff und Erinnerung an osmanische Herrschaft.
Theoretisch könnte die Türkei mit ihren hervorragenden Drähten in den Westen (NATO und Wirtschaft) und gleichzeitig als islamischer Staat in der Tat eine wichtige Vermittlerrolle spielen. Ich fürchte nur, die Basis "islamisch" ist deutlich weniger tragfähig als gewünscht und massiv überlagert von innerislamischen Zänkereien. Vermutlich geniesst ein eindeutig westlich auftretender Unterhändler dort mehr Vertrauen als 27 islamische Brüder.
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