#1

Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 19.01.2010 03:10
von sysop • Admin | 844 Beiträge | 844 Punkte

Ist Hartz 4 ein schweres Erbe Schröders oder ein Vermächtnis, das es nur richtig zu nutzen gilt?



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#2

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 24.02.2011 16:46
von Gregor Samsa (gelöscht)
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Zitat von: sysop
Wem nutzt Hartz 4 wirklich?

Der öffentlichen Verwaltungsbürokratie?


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#3

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 23.05.2011 21:30
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte

Tja wo hänge ich mich jetzt hier an, ich denke hier könntes passen:

http://www.parlament-berlin.de:8080/star.../ka16-15269.pdf
daraus:
Erwerbstätige Arbeitslosengeld II-Bezieher/innen im Land Berlin
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Vollzeit: seid 2007 so ca. 31 bis knapp 35 k. Davon 7,7 bis gut 10 k Einpersonenhaushalte.

und ganz besonders krank:
Arbeitsbedingungen in der Berliner Pflegebranche und Kontrolle des Pflegemindestlohns
http://www.parlament-berlin.de:8080/star.../ka16-15247.pdf

Frage 7: knapp 20 % der Vollzeit-Beschäftigten im Pflegeberuf im rot-rot regierten Land Berlin bekommen ergänzende Sozialhilfe - und nein, das sind nicht alle Familienväter mit 10 Kindern und zu Hause sitzender Ehefrau, ca. 7 % der Vollzeitbeschäftigten in der Berliner Pflegeindustrie sind Singles mit Einpersonenhaushalt, welche ergänzendes "Arbeitslosengeld II" erhalten.

Zur Eingangsfrage "Wem nutzt es wirklich?": Dem modernen Sklavenhalter!

Ergänzende Sozialhilfe bei Vollzeitbeschäftigung hat es m.W. vor Hartz IV nicht gegeben!
Damals mussten noch einigermaßen auskömmliche Löhne gezahlt werden!

Besonders pervers in diesem Kontext die immer durchs Dorf getriebene Chimäre des "Fachkräftemangels" gerade auch im Pflegeberuf. Iss schon ein Problem, wenn für erbrachte Arbeitsleistung eine Entlohnung erwartet wird. -typisch deutsches Anspruchsdenken :-((.



zuletzt bearbeitet 23.05.2011 21:30 | nach oben springen

#4

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 23.05.2011 22:04
von FrieFie | 7.321 Beiträge | 7298 Punkte


Zitat von: Ronald.Z
23.05.2011 21:30 #71501

Zur Eingangsfrage "Wem nutzt es wirklich?": Dem modernen Sklavenhalter!

Ergänzende Sozialhilfe bei Vollzeitbeschäftigung hat es m.W. vor Hartz IV nicht gegeben!
Damals mussten noch einigermaßen auskömmliche Löhne gezahlt werden!

Bei ansonsten grosser Zustimmung muss ich sagen, dass es vorher auch schon staatliche Aufstockung von Mikrolöhnen gab, die hiessen dann nur anders: z.B. Wohngeld. Als ich als Schneiderin 1989 in Hamburg arbeitete, bekam ich 10,- Mark brutto die Stunde ... das war über Tarif, der lag bei Neun nochwas. Mit dem Lohnbescheid bin ich dann erstmal zum Wohnungsamt gegangen und bekam einen Zuschuss, ohne den ich in Hamburg damals kaum hätte leben können.


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#5

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 24.05.2011 18:48
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: FrieFie
23.05.2011 22:04 #71502

Bei ansonsten grosser Zustimmung muss ich sagen, dass es vorher auch schon staatliche Aufstockung von Mikrolöhnen gab, die hiessen dann nur anders: z.B. Wohngeld. Als ich als Schneiderin 1989 in Hamburg arbeitete, bekam ich 10,- Mark brutto die Stunde ... das war über Tarif, der lag bei Neun nochwas. Mit dem Lohnbescheid bin ich dann erstmal zum Wohnungsamt gegangen und bekam einen Zuschuss, ohne den ich in Hamburg damals kaum hätte leben können.

Stimmt, Du hast natürlich Recht, Sozialtransfers an die arbeitende Bevölkerung gab's auch schon früher.

Jedoch nicht in diesem Grad der Organisation und der Schaffung von Abhängigkeiten; durch die Hartz-Gesetzgebung wurde ja auch die Leiharbeit* gepuscht, welche vielfach mit begleitenden Sozialtransfers einhergeht

Auch durch den ganzen "Fordern statt Fördern(!)"-Mist wird Druck auf die Arbeitnehmerseite ausgeübt jeden Job zu nehemen, egal wie mies bezahlt er wird.

Eigentlich findet dadurch auf dem Arbeitsmarkt eine massive Verzerrung der Angebots- und Nachfrageparität statt, welche nur den Arbeitgebern nützt.

*Hartz I:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Konze..._1._Januar_2003



zuletzt bearbeitet 24.05.2011 18:49 | nach oben springen

#6

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 24.05.2011 20:25
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: FrieFie
23.05.2011 22:04 #71502

(...)Als ich als Schneiderin 1989 in Hamburg arbeitete, bekam ich 10,- Mark brutto die Stunde ... das war über Tarif, der lag bei Neun nochwas. (...)

Das ist doch gar nicht so schlecht, so ca. dasselbe (natürlich durch 2) verdient (!) die angestellte Frisörin bei uns im Osten immer noch. Muss ich wissen, meine Freundin ist Kosmetikerin/Fusspflegerin in Potsdam, für die gelten ähnliche Bedingungen.

Worauf ich hinaus will, in vielen Dienstleistungsberufen sind Hartz IV Leistungen inzwischen in die Gehälter eingepreist.

Bei den sogenannten "Trinkgeldberufen" (wie meine Freundin sagen würde) ist das gar nichtmal so schlimm, da kommt noch ab und an was zusätzlich rüber, so dass der Gang zum Amt erspart bleibt.

Jedoch gerade in der so förchterbar vom Personal- und Fachkräftemangel gequälten Sozialhilfebranche (hierzu natürlich prominent mein gestern verlinktes Beispiel aus dem Pflegemarkt) werden einerseits die Löhne in den Keller gedrückt (wenn's nicht reicht kann man ja aufstocken) und die Leistungen für die Hilfebedürftigen folgen den Löhnen.

Gleichzeitig steigen in Gänze die Kosten raketengleich in die Stratosphäre.

Woran mag's wohl liegen?

Könnte es das sein:
Auch das Finanzamt habe bereits kritisch nachgefragt, ob das "gemeinnützig" sei. "Ist es", sagt Ehlert. "Wir haben überprüfen lassen, was vergleichbare Organisationen für Dienstwagen haben - und was wir uns leisten ist völlig angemessen."

aus:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,678856,00.html

Tja wenn sich alle vergleichbaren Organisationen für ihren Overhead nicht nur schicke Dienstwagen, sondern auch schicke Gehälter leisten können...

http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...8473/158474.php

Um es kurz zu machen, warum wird nicht entschiedener gegen solch ausuferndes Schmarotzertum vorgegangen?

Meine Theorie, die Träger sind alle gut vernetzt und es soll ja auch mal vorkommen, dass ein Politiker nicht wiedergewählt wird, der muss dann ja irgendwo die Wahlperiode überwintern. Und was bietet sich da geradezu an?


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#7

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 24.05.2011 20:31
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: Ronald.Z
24.05.2011 20:25 #71604

(...)
Um es kurz zu machen, warum wird nicht entschiedener gegen solch ausuferndes Schmarotzertum vorgegangen?
(...)

Das ist es dann natürlich wichtig, dass der Lohnsklave das Unternehmen nicht ausblutet.

Nicht nur das der Zeitvertrag für die halbe (max. 3/4) Stelle die Verhandlungen über die (nicht-)Auszahlung der regelmäßig zu leistenden Überstunden erleichtert, nee - die Verlagerung eines Teils der Lohnkosten mittels Hartz IV auf den (noch) steuerzahlenden Teil der Bevölkerung ist quasi "unbezahlbar".

Also, wem nützt wohl Hartz IV wirklich?

Ich sehe da u.a. solch widerlichen Gestalten wie diesen Ehlert in der ersten Reihe, wer bietet mehr?


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#8

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 26.05.2011 20:43
von Nante | 8.026 Beiträge | 13054 Punkte


Zitat von: Ronald.Z
24.05.2011 20:31 #71606


Ich sehe da u.a. solch widerlichen Gestalten wie diesen Ehlert in der ersten Reihe, wer bietet mehr?


Ronald, der war wirklich die Spitze des Eisberges. Ich habe mir erzählen lassen, daß es den Entgeld- und den Zuwendungsbereich gibt. Der eine arbeitet mit staatlich festgelegten Pauschalen, der andere muß alles einzeln beantragen.

Da die Pauschalen als Fixeinnahmen betriebsintern locker durch Einsparungen profitabel gestaltet werden können, kommen solche Fehlentwicklungen heraus.


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#9

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 26.05.2011 22:59
von GeorgeF | 4.734 Beiträge | 4734 Punkte


Zitat von: Nante
26.05.2011 20:43 #71894


Ronald, der war wirklich die Spitze des Eisberges. Ich habe mir erzählen lassen, daß es den Entgeld- und den Zuwendungsbereich gibt. Der eine arbeitet mit staatlich festgelegten Pauschalen, der andere muß alles einzeln beantragen.

Da die Pauschalen als Fixeinnahmen betriebsintern locker durch Einsparungen profitabel gestaltet werden können, kommen solche Fehlentwicklungen heraus.

Ich habe Anlass, die Verhältnisse im Pflegebereich von der anderen Seite aufzurolln: Ich möchte einfach wissen, was Die Pflege meines dementenm und beinamputierten Bruders kostet und wie und von wem die Kosten gedeckt sind: Rente, Pflegeversicherung, Beiträge der Verwandten... Und genauso möchte ich dann von dem Pflegeheim wissen, wer denn wie die Pflegerinnen in dem Heim bezahlt (mehrheitlich usnehmend liebevolle Russinnen).
Es geht natürlich nicht an, dass sich die Geschäftsführer von Sozialen Diensten fette Dienstwagen oder sonstige Privilegien leisten.


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#10

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 27.05.2011 09:51
von primatologe | 8.476 Beiträge | 8476 Punkte


Zitat von: Ronald.Z
24.05.2011 20:31 #71606

...

Also, wem nützt wohl Hartz IV wirklich?

Ich sehe da u.a. solch widerlichen Gestalten wie diesen Ehlert in der ersten Reihe, wer bietet mehr?


Dieser Harald Ehlert, Chef der Treberhilfe Berlin, ist schon eine merkwürdige Person.
Ob sich die Stadtstreicher vielleicht doch etwas in dem Glanz Ihres "Chefs" im Maserati sonnen und freuen? Würde mich nicht wundern.

Ich kenne einen Hartz4-Empfänger der FDP wählt, für den Fall wie er sagt, dass er doch mal zu Geld kommt, soll ihm das keiner wegnehmen. Irrsinnige Leute gibts.


http://media.news.de/resources/thumbs/b9...6061d5e448d.jpg



zuletzt bearbeitet 27.05.2011 09:52 | nach oben springen

#11

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 27.05.2011 21:43
von Nante | 8.026 Beiträge | 13054 Punkte


Zitat von: GeorgeF
26.05.2011 22:59 #71918

Ich habe Anlass, die Verhältnisse im Pflegebereich von der anderen Seite aufzurolln: Ich möchte einfach wissen, was Die Pflege meines dementenm und beinamputierten Bruders kostet und wie und von wem die Kosten gedeckt sind: Rente, Pflegeversicherung, Beiträge der Verwandten... Und genauso möchte ich dann von dem Pflegeheim wissen, wer denn wie die Pflegerinnen in dem Heim bezahlt (mehrheitlich usnehmend liebevolle Russinnen).
Es geht natürlich nicht an, dass sich die Geschäftsführer von Sozialen Diensten fette Dienstwagen oder sonstige Privilegien leisten.

George, ist das eine rhetorische Frage oder soll ich Dir Bilanzen und GuVs von Heimbetreibern aufdröseln?
Ich kenne jetzt keine, aber im Bundesanzeiger müßte man die einsehen können.

Vielleicht ist diese Seite interessant für Dich?

http://news.wohnen-im-alter.de/2011/01/2...e-in-insolvenz/


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#12

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 28.05.2011 17:13
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: Nante
26.05.2011 20:43 #71894


Ronald, der war wirklich die Spitze des Eisberges. Ich habe mir erzählen lassen, daß es den Entgeld- und den Zuwendungsbereich gibt. Der eine arbeitet mit staatlich festgelegten Pauschalen, der andere muß alles einzeln beantragen.

Da die Pauschalen als Fixeinnahmen betriebsintern locker durch Einsparungen profitabel gestaltet werden können, kommen solche Fehlentwicklungen heraus.

Hi Nante,

aber auch jetzt sind wir noch nicht allzu weit in die Tiefen des Eisbergs eingedrungen.

Wie Du schon angedeutet hast, der Zuwendungsbereich ist relativ harmlos, die Träger in diesem Segment müssen für vieles Nachweise erbringen und die Zuwendungen auch abrechnen; die sind rechenschaftsplichtig.
Sicher, hier kann man auch tricksen, aber nicht in dem Umfang wie im Entgeltbereich.

Das "schöne" im Entgeltbereich für den Träger sind u.a. die verteilten Zuständigkeiten, die Senatsverwaltung(en) handeln die Vergütung aus und die Bezirke dürfen zahlen. Ganz krass ist hier der Bereich der Eingliederungshilfe für Behinderte organisiert, die SenIAS hat für den Bereich der körperlich-geistig Behinderten den Hut auf und für die seelisch Behinderten schaut die SenGesUmV genauer hin. Den freien Träger bezahlen die Beizrke, welche bei den Verhandlungen über die Höhe der Vergütungen nicht einmal am Katzentisch sitzen dürfen.

Es soll auch keiner auf die Idee kommen, dass wenn die Kostensätze von einer zentralen Stelle bei der Senatsverwaltung verhandelt werden, diese irgendwie standardisiert wären, neee:

Hilfebedarfsgruppen (HBG) Maßnahmepauschale je Platz und Betreuungstag:

III extern 53,30 € bis 123,46 €
III intern 57,77 € bis 153,09 €
IV extern 84,32 € bis 172,38 €
IV intern 95,45 € bis 236,61 €
V extern 105,67 € bis 231,39 €
V intern 135,25 € bis 282,00 €

aus:
http://www.parlament-berlin.de:8080/star.../ka16-15257.pdf

Und nein, das liegt nicht an den unterschiedlichen Senatsverwaltungen hier geht es nur um körperlich-geistig Behinderte für die die SenIAS den Hut aufhat.
Transparenz ist anders, also wer das nicht ausnützen kann, ist selbst schuld.

Und als ob das noch nicht genug wäre, sind die Bezirke -welche schließlich den Spaß zahlen müssen- mit der von der SenIAS betriebenen Software so ziemlich aufgeschmissen:

http://www.morgenpost.de/printarchiv/ber...e-Software.html

(Der link führt leider in den geschützten Bereich, ich kriegs leider nicht anders hin. Wenn man jedoch über google die Stichworte Sozialkontrolleure-ohne-Software eingibt kann man alles lesen, klappt zumindest bei mir.)


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#13

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 28.05.2011 17:30
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: GeorgeF
26.05.2011 22:59 #71918

Ich habe Anlass, die Verhältnisse im Pflegebereich von der anderen Seite aufzurolln: Ich möchte einfach wissen, was Die Pflege meines dementenm und beinamputierten Bruders kostet und wie und von wem die Kosten gedeckt sind: Rente, Pflegeversicherung, Beiträge der Verwandten... Und genauso möchte ich dann von dem Pflegeheim wissen, wer denn wie die Pflegerinnen in dem Heim bezahlt (mehrheitlich usnehmend liebevolle Russinnen).
Es geht natürlich nicht an, dass sich die Geschäftsführer von Sozialen Diensten fette Dienstwagen oder sonstige Privilegien leisten.

Für die Heime in Berlin gibt es Heimindividuelle Kostensätze (ähnlich wie oben für die EGH verlinkt), die müssen damit auskommen. Unterteilt werden diese i.d.R. in Kosten der Unterkunft, Kosten der Pflege und Investpauschale. Dazu kommen diverse Zuschläge, bei Deinem Bruder dann der Zuschlag für demente Bewohner. Die SenIAS versucht hier zu standardisieren, jedoch sind die Sätze oftmals heimindividuell.

Zahlen tut die Pflegeversicherung je nach Pflegestufe und Art der Pflege bestimmte Sätze, z.B. vollstationär:

(2) Für Pflegebedürftige in vollstationären Einrichtungen übernimmt die Pflegekasse im Rahmen der pauschalen Leistungsbeträge nach Satz 2 die pflegebedingten Aufwendungen, die Aufwendungen der sozialen Betreuung und die Aufwendungen für Leistungen der medizinischen Behandlungspflege. Der Anspruch beträgt je Kalendermonat

1. für Pflegebedürftige der Pflegestufe I 1.023 Euro,
2. für Pflegebedürftige der Pflegestufe II 1.279 Euro,
3. für Pflegebedürftige der Pflegestufe III
a) 1.470 Euro ab 1. Juli 2008,
b) 1.510 Euro ab 1. Januar 2010,
c) 1.550 Euro ab 1. Januar 2012,

http://bundesrecht.juris.de/sgb_11/__43....gb_11/__43.html

Reichen die Leistungen der Pflegeversicherung dafür nicht, muss der pflegebedürftige Mensch dazu zahlen, aus eigenem Einkommen (Rente), eigenem Vermögen usw..
Kann er das nicht im erforderlichen Umfang, zahlt der Sozialhilfeträger, in Berlin der Bezirk. Da die Sozialhilfe jedoch Nachrang ggü. Unterhaltsansprüchen des Pflegebedürftigen hat, kann es sein, dass das Sozialamt bei Eltern oder Kindern oder Ehepartnern des Pflegebedürftigen Menschen anklopft und von denen je nach Grad der Verwandschaft und Einkommen und Vermögen einen Teil oder alles der Sozialhilfezahlung fordert.

Anspruch auf Geschwisterunterhalt dürfte hier aber nicht greifen.

In der ambulanten Hilfe ist es ähnlich, nur dass hier anhand des Pflegebedarfs und vorher festgelegter Sätze Entgelthöhen individuell ermittelt werden. DIese liegen dann oftmals über den Heimkosten.

Und da der Leitsatz ambulant vor stationär gilt ist für den Pflegedienst ambulante Pflege viel schöner.


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#14

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 28.05.2011 17:37
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: Ronald.Z
28.05.2011 17:30 #72084
(...)
Und da der Leitsatz ambulant vor stationär gilt ist für den Pflegedienst ambulante Pflege viel schöner.

Gerade bei dementen Pflegebedürftigen hat sich hier jetzt ein "schöner" Trick seitens der Pflegedienste entwickelt, die sogenannten Dementen - WG's.

Kann eine gute Alternative sein,

http://www.alzheimerwgs.de/-betreutewgs.html

Kann aber auch andere Hintergründe haben:

Hierbei handelt es sich oftmals um eine quasi heimähnliche Unterbringung (WG mit ca. 40 und mehr Bewohnern in drei eng zusammenliegenden Gebäuden, in denen zufälligerweise auch der für fast alle Bewohner zutändige Pflegedienst seinen Sitz hat), bei der aber die rechtliche Fiktion der ambulanten Pflege aufrecht erhalten wird, welche ggü. der stationären Pflege höhere Sätze hat und ausserdem nicht der Heimaufsicht unterliegt.

Schöner Trick...


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#15

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 28.05.2011 17:43
von Walter (gelöscht)
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Zitat von: GeorgeF
26.05.2011 22:59 #71918

Und genauso möchte ich dann von dem Pflegeheim wissen, wer denn wie die Pflegerinnen in dem Heim bezahlt (mehrheitlich usnehmend liebevolle Russinnen).
Es geht natürlich nicht an, dass sich die Geschäftsführer von Sozialen Diensten fette Dienstwagen oder sonstige Privilegien leisten.


Pflegeheime gehören zu den Sparten mit dem höchsten Personalkostenanteil.
Die Personalkosten für diejenigen Beschäftigten, welche am im Alltag am unmittelbarsten mit den Pflegebedürftigen zu tun haben (Altenpfleger und Betreuer) liegen bei über 50% des Preises eines Pflegeheimplatzes.


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#16

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 28.05.2011 21:26
von tbn | 4.131 Beiträge | 4131 Punkte


Zitat von: Walter
28.05.2011 17:43 #72087


Pflegeheime gehören zu den Sparten mit dem höchsten Personalkostenanteil.
Die Personalkosten für diejenigen Beschäftigten, welche am im Alltag am unmittelbarsten mit den Pflegebedürftigen zu tun haben (Altenpfleger und Betreuer) liegen bei über 50% des Preises eines Pflegeheimplatzes.


Von wieviel Betreuer/Pflegefall gehen Sie aus?


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#17

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 28.05.2011 22:05
von Walter (gelöscht)
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Zitat von: RagnarLodbrok
28.05.2011 21:26 #72113


Von wieviel Betreuer/Pflegefall gehen Sie aus?

Suchen Sie es sich aus!


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#18

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 29.05.2011 00:15
von GeorgeF | 4.734 Beiträge | 4734 Punkte

Erstmal Dank für die Hintergrundinfos. Ist alles definitiv hilfreich. Aber ohne Frage muss man sich in jeden Einzelfall hineinarbeiten.
Und da ich nun wirklich häufig in so einem Pflegeheim (zu Besuch) bin, kann ich nur uns Allen wünschen, davor verschont zu bleiben. Übrigens einer der Gründe, weswegen ich für die Rente ab '69 bin.


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#19

Pflegeheime

in Wirtschaft 29.05.2011 10:05
von Walter (gelöscht)
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Eine einfache Rechnung:

1. Die Woche hat 7 mal 24 Stunden, macht zusammen 168 Stunden.

2. Um einen Wohnbereich im Altenheim mindestens mit einem Pfleger
oder Betreuer auszustatten, benötigt man also mindestens 168 Arbeitstunden,
d.h. mehr als 4 Vollzeitbeschäftigte.

3. Nun benötigen diese 168 Arbeitstunden auch Vertretung, denn das entsprechende
Personal ist auch einmal im Urlaub, auf Fortbildung und krank,
letzteres aufgrund bestimmter Risiken sogar mehr als in vielen anderen Berufen.

4. Man arbeitet in diesen Sparten in der Regel mit 25% Vertreteranteil.

5. Zu den 168 Stunden pro Woche kommen somit weitere 42 Stunden für Vertretung hinzu,
macht also 210 zu zahlende Wochenstunden für die unmittelbare Betreuung und Pflege hinzu.

6. Wie viele pflegebedürftige Menschen können in einem Wohnbereich versorgt werden, in dem im Durchschnitt immmer nur ein Pfleger/Betreuer anwesend ist?
Nach meiner Erfahrung dürfte es schon schwierig sein, 10 pflegebedürftige Menschen zu versorgen.

7. 210 Wochenstunden ist vergleichbar 5,3 Vollzeitbeschäftigte.

8. Zu ihrem Bruttolohn kommen weiterhin ca. 25% Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherung, Unfallversicherung usw. hinzu.

9. Was verdient ein Altenpfleger/betreuer?
Dei Antwort darauf ist nicht einfach, denn das ist sehr unterschiedlich.
Die Pflegeheime arbeiten ja nicht nur mit examinierten Pflegepersonal,
sondern, um Kosten zu sparen auch mit Betreuuern und Pflegern, die nur eine
Zusatzausbildung haben und deshalb auch weniger verdienen.
Bei examinierten Pflegern liegt der Stundenlohn im Schnitt bei ca. 20 Euro,
im Osten weniger, im Westen meist mehr.
Im Schnitt über alle dürfte der Bruttolohn zwischen 2.500 und 3.000 Euro liegen.

10. Setzen wir einmal den für die Kostenbetrachtung günstigsten Fall an,
dann wären das 2.500 Euro mal 5,3 Vollzeitbeschäftigte plus 25%
= 16.500 Euro pro Monat
für einen Wohnbereich mit maximal 10 Pflegebedürftigen.

Macht also schon einmal an der untersten Grenze
ca. 1.650 Euro Personalkosten pro Monat und Pflegebedürftigen,
und zwar nur für das unmittelbare Pflege-/Betreuungspersonal.

11. Pflegeheime müssen aber noch mehr finanzieren als das.
Das Haus selbst verursacht Kosten, die Verwaltung, der Reinigunsgdienst,
die Küche, der Chef usw.
Die Verwaltungskosten liegen im Schnitt übrigens nur bei 3-5% der Gesamtkosten.


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#20

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 29.05.2011 10:13
von FrieFie | 7.321 Beiträge | 7298 Punkte


Zitat von: GeorgeF
29.05.2011 00:15 #72144
Erstmal Dank für die Hintergrundinfos. Ist alles definitiv hilfreich. Aber ohne Frage muss man sich in jeden Einzelfall hineinarbeiten.
Und da ich nun wirklich häufig in so einem Pflegeheim (zu Besuch) bin, kann ich nur uns Allen wünschen, davor verschont zu bleiben. Übrigens einer der Gründe, weswegen ich für die Rente ab '69 bin.

Werden weniger Menschen Pflegefall, wenn sie länger arbeiten?


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#21

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 29.05.2011 10:23
von Walter (gelöscht)
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Zitat von: FrieFie
29.05.2011 10:13 #72179

Werden weniger Menschen Pflegefall, wenn sie länger arbeiten?

Ja.


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#22

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 29.05.2011 10:24
von FrieFie | 7.321 Beiträge | 7298 Punkte


Zitat von: Walter
29.05.2011 10:23 #72182

Ja.

Weil sie früher sterben?


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#23

RE: Hartz 4: Wem nutzt es wirklich?

in Wirtschaft 29.05.2011 10:41
von Walter (gelöscht)
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Zitat von: FrieFie
29.05.2011 10:24 #72183

Weil sie früher sterben?

Weil sie die Erkrankung, die zur Pflegebedürftigkeit führt,
dann oft später bekommen.


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#24

RE: Pflegeheime

in Wirtschaft 29.05.2011 21:14
von Ronald.Z | 1.625 Beiträge | 1587 Punkte


Zitat von: Walter
29.05.2011 10:05 #72177
(...)
Macht also schon einmal an der untersten Grenze
ca. 1.650 Euro Personalkosten pro Monat und Pflegebedürftigen,
und zwar nur für das unmittelbare Pflege-/Betreuungspersonal.

11. Pflegeheime müssen aber noch mehr finanzieren als das.
Das Haus selbst verursacht Kosten, die Verwaltung, der Reinigunsgdienst,
die Küche, der Chef usw.
Die Verwaltungskosten liegen im Schnitt übrigens nur bei 3-5% der Gesamtkosten.


Schöne Rechnung und genau im richtigem Fred, hier schließt sich nämlich der Kreis, um Geld mit der Pflege zu machen ist es erforderlich hier zu optimieren, Aushilfekräfte, Ein-Eurojobber (natürlich nur zusätzlich), Zeitarbeit, (bald nicht mehr) Zivis, Ungelernte, freundliche russische Pflegerinnen ausserhalb des Tarifs usw., usf. können da helfen.

Ich habe gerade nochmal nachgesehen, die vom Sozialversicherungsträger anerkannten Heime in Berlin nehmen für die Stufe 1 im Einbettzimmer so zwischen:
61,44 €/d (13,13 Kosten der Unterkunft-KdU, 37,49 Pflege-P und 10,86 Investpauschale-IP)
= 1.844,40 €/Monat
und
103,80 €/d (19,06 KdU, 61,27 P und 23,47 IP)
= 3.114,- €/Monat.

Die Kombination der einzelnen Bausteine schwankt erheblich, es gibt für jeden Baustein auch teurere Varianten, welche durch billigere woanders ausgeglichen werden.

Schwertsmehrfachbehinderte (2 Heime in Spandau und Tempelhof) kosten extra, Beatmungspflichtige, Demente u.ä. auch.

Wer sich mal richtig gruseln will, hier die Leistungskomplexe der ambulanten Hilfe zur Pflege inkl. der Kostensätze:

http://www.parlament-berlin.de:8080/star.../ka16-14136.pdf


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#25

RE: Pflegeheime

in Wirtschaft 04.06.2013 22:41
von Willie | 23.776 Beiträge | 91298 Punkte

Eben irgendwo aufgeschnappt -ohne zu wissen ob es stimmt:

"...Ohne Worte......aber leider traurige Wahrheit.....

Vor ein paar Minuten im TV: 2 Hartz 4 Empfänger Heiraten und ziehen logischerweise in einer gemeinsamen Wohnung. Der eine Partner davon hat schon ein Kind.
So jetzt kommts:
Sie beziehen beide noch Hartz 4.....jeweils ca 350 EURO entspricht 700 € + 180 € Kindergeld + 300 Mutteschaftsgeld. Der Mann will nur ein Minijob ausüben und bekommt im Monat 150 €. Das sind ingesamt Netto am Monatsende 1330 €. Miete , Nebenkosten usw übernehmen ja wir Bürger die sich den Arsch aufreisen und Arbeiten gehn.

So: Arbeitslohn von einem Verheirateten Mann mit Kind in Stuttgart...Mutter Hausfrau.
Nettolohn: 1900 €
Kindergeld 180 €
Insgesamt Netto 2080 €
Jetzt ziehen wir ab:
Miete: 700 €
Nebenkosten : 300 €
KFZ Kosten weil der Mann ja zur Arbeit fährt c.a 300€ durch Spritkosten, Verschleiß usw.
Bleiben unterm Strich 780 €..davon muss die Familie leben und natürlich eventuelle Vereine wie zb..schwimmen, turnen usw finanzieren.....Hartz 4 Empfänger bekommen dies natürlich von den Steuerzahler finanziert....das heisst, auch von dieser Familie die am Monatsende 600 € weniger am Monatsende hat trotz Arbeit im gegensatz zu den Hartz 4 Empfänger.

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