#126

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:18
von mbockstette | 7.881 Beiträge | 6023 Punkte

Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


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#127

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:18
von mbockstette | 7.881 Beiträge | 6023 Punkte

Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in einer gefährlichen Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.



zuletzt bearbeitet 25.06.2016 20:21 | nach oben springen

#128

RE: BREXIT

in Politik 25.06.2016 20:18
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Landegaard im Beitrag #114
Zitat von Deichvogt im Beitrag #98
Die Politik hatte vor dem Referendum Jahre Zeit Reformen durchzuführen. Das Referendum ist nicht vom Himmel gefallen.

Wenn man sich anschaut, was die EU alles unternimmt das viel kleinere und und unbedeutendere Griechenland in der EU zu halten, aber wie wenig für den Verbleib von GB getan wurde, dann haben genau die Politik"gestalter" versagt, um derentwillen die demokratische Teilhabe der Bürger beschnitten wird.

Anstatt die Wähler zu beschimpfen, sollten sie nach den Ursachen des Brexits forschen.

Dann hätten sie vielleicht die Möglichkeit wahrzunehmen, was echte politische Koryphäen wie Egon Bahr einst zur EU sagten:

Die" EU wird ein Europa der Vaterländer sein oder gar nicht!"

Stattdessen werden Kritiker der EU als Nationalisten, Ewiggestrige und Schlimmeres dämonisiert.

Wer das nicht versteht, wie Merkel, der fährt mit einer unabgestimmten Politik der bedingungslosen Grenzöffnung gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit der EU Staaten die EU voll gegen die Wand. Der ignoriert den Patriotismus und die Heimatliebe vieler Menschen und verteufelt ihre in Jahrzehnten gewachsene Identität und möchte sie von oben neu definieren. Das kann nicht gut gehen. Die Lebenswirklichkeit ist stärker als die Hirngespinste der sogenannten Elite, der classe politique.

Die einzig funktionierenden Institutionen sind die der Nationalstaaten. Der Nationalismus in Europa war eingedämmt und reguliert. Er wurde wieder erweckt durch schlechte Politik.



Nanana, wir wollen bei all dem befreienden EU-Bashing mal nicht vergessen, dass die Nationalstaaten ebenfalls nicht funktionieren. Das spielt aktuell nur in der Wahrnehmung keine Rolle, weil die EU noch schlechter funktioniert.

Die Reaktionen der EU-Oberen haben mir dann auch jede Hoffnung genommen, dass man den Brexit als das versteht, was er ist: Eine dringende Warnung zum Politikwandel. Die EU-Oberen aber meinen, sie seien super, nur Cameron habe versagt. Und der Pressechor, der bei mir ankommt, meint, nun müsse ein "Jetzt erst recht" die Antwort sein. Es wäre zum Totlachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Diese Politik, jetzt erst recht bringt mich zur Überlegung, in die Niederlande zu ziehen und Asyl zu beantragen.

Das bedarf der Erklärung, Meister Landegaard. Wieso sollen die Nationalstaaten nicht funktionieren? Es waren die Nationalstaaten, die die EU Grenzen geschützt haben. Es waren die Nationalstaaten, die das Geld für die Bankenrettung bereitgestellt haben, es sind die Nationalstaaten, die die europäische Sicherheitspolitik entscheiden.

Es gibt keinerlei supranationale Institutionen in der EU, die eigenständig Entscheidungen treffen können. Alle Institutionen in der EU sind ein Markt nationaler politischer Interessen.


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#129

RE: BREXIT

in Politik 25.06.2016 20:23
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Landegaard im Beitrag #114
Zitat von Deichvogt im Beitrag #98
Die Politik hatte vor dem Referendum Jahre Zeit Reformen durchzuführen. Das Referendum ist nicht vom Himmel gefallen.

Wenn man sich anschaut, was die EU alles unternimmt das viel kleinere und und unbedeutendere Griechenland in der EU zu halten, aber wie wenig für den Verbleib von GB getan wurde, dann haben genau die Politik"gestalter" versagt, um derentwillen die demokratische Teilhabe der Bürger beschnitten wird.

Anstatt die Wähler zu beschimpfen, sollten sie nach den Ursachen des Brexits forschen.

Dann hätten sie vielleicht die Möglichkeit wahrzunehmen, was echte politische Koryphäen wie Egon Bahr einst zur EU sagten:

Die" EU wird ein Europa der Vaterländer sein oder gar nicht!"

Stattdessen werden Kritiker der EU als Nationalisten, Ewiggestrige und Schlimmeres dämonisiert.

Wer das nicht versteht, wie Merkel, der fährt mit einer unabgestimmten Politik der bedingungslosen Grenzöffnung gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit der EU Staaten die EU voll gegen die Wand. Der ignoriert den Patriotismus und die Heimatliebe vieler Menschen und verteufelt ihre in Jahrzehnten gewachsene Identität und möchte sie von oben neu definieren. Das kann nicht gut gehen. Die Lebenswirklichkeit ist stärker als die Hirngespinste der sogenannten Elite, der classe politique.

Die einzig funktionierenden Institutionen sind die der Nationalstaaten. Der Nationalismus in Europa war eingedämmt und reguliert. Er wurde wieder erweckt durch schlechte Politik.



Nanana, wir wollen bei all dem befreienden EU-Bashing mal nicht vergessen, dass die Nationalstaaten ebenfalls nicht funktionieren. Das spielt aktuell nur in der Wahrnehmung keine Rolle, weil die EU noch schlechter funktioniert.

Die Reaktionen der EU-Oberen haben mir dann auch jede Hoffnung genommen, dass man den Brexit als das versteht, was er ist: Eine dringende Warnung zum Politikwandel. Die EU-Oberen aber meinen, sie seien super, nur Cameron habe versagt. Und der Pressechor, der bei mir ankommt, meint, nun müsse ein "Jetzt erst recht" die Antwort sein. Es wäre zum Totlachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Diese Politik, jetzt erst recht bringt mich zur Überlegung, in die Niederlande zu ziehen und Asyl zu beantragen.

Auch global betrachtet stellt sich heraus, das nur diejenigen Staaten souverän sind, die starke Nationalstaaten sind, wie die USA, China oder Russland. Sie können noch eigenständige Entscheidungen treffen und selber Politik betreiben.


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#130

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:27
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.

Ich frage mich, wie die mit einem mal wie Kai aus der Kiste aufspringenden Kritiker von Volksentscheidungen zu einem schottischen Refetendum stehen werden.

Seien wir doch ehrlich Diese Kritiker sind nichts als politische Opportunisten, die jeden Egon Krenz alt aussehen lassen


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#131

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:35
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.

Und warum sollte die EU Teil Staaten aufnehmen, die ökonomisch nicht selbstständig lebensfähig sind? Also reine Kostgänger der Nettozahler sein werden?

Warum sollte die EU Spaltungsbestrebungen unterstützen, wo Länder wie Spanien oder Belgien auseinander zu brechen drohen? Da lässt man einen Geist aus der Flasche, den man nie wieder hinein bekommt. Und man stärkt den Nationalismus, den man doch angeblich übetwinden möchte. Das hat keine inhärente Logik. Das riecht eher nach Rache an GB. Und dürfte die Zentrifugalkräfte in der EU befördern.


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#132

RE: BREXIT

in Politik 25.06.2016 20:37
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Maga-neu im Beitrag #118
Zitat von Hans Bergman im Beitrag #117
Zitat von Maga-neu im Beitrag #107
...Hmm, ich empfehle ein besseres Corporate Design: Vielleicht etwas Magenta so wie bei der SPD. Und dann natürlich eine neue Hymne. Statt Beethoven vielleicht Michael Jackson:
https://www.youtube.com/watch?v=M9BNoNFKCBI

Vor allem eine neue Flagge: ganz in weiß...

So wie die italienische Kriegsflagge: Weißes Kreuz auf weißem Grund. :-)


Hahahahahahahaha


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#133

RE: BREXIT

in Politik 25.06.2016 20:39
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Hans Bergman im Beitrag #119
Zitat von Maga-neu im Beitrag #118
Zitat von Hans Bergman im Beitrag #117
Zitat von Maga-neu im Beitrag #107
...Hmm, ich empfehle ein besseres Corporate Design: Vielleicht etwas Magenta so wie bei der SPD. Und dann natürlich eine neue Hymne. Statt Beethoven vielleicht Michael Jackson:
https://www.youtube.com/watch?v=M9BNoNFKCBI

Vor allem eine neue Flagge: ganz in weiß...

So wie die italienische Kriegsflagge: Weißes Kreuz auf weißem Grund. :-)

:)
Im SPON stand heute etwas von bald "darbenden" Briten wegen des Brexits. Vermutlich wird es bald Hungersnöte geben und eine Auswanderungswelle nach den USA, vergleichbar mit Irland früherer Zeiten.
Ich sehe allerdings nicht, dass die Briten draußen wären, sondern dass die EU aus der Gemeinschaft mit Britannien rausgeworfen wurde.


Nebel im Kanal: Kontinent abgeschnitten... Muahahahaha


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#134

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:45
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.

Das Problem ist, dass diese Volksentscheide nicht VOR den grundlegenden Entscheidungen stattfanden. Denn dann würde nicht so ein Schaden entstehen. Wie z. B. Maastricht Verträge, Euro Einführung, Osterweiterung etc..


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#135

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:47
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.






Das ist nur die Deutung der classe politique. Der Bürger wird dazu ja in der Regel nicht befragt.


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#136

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:54
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.






So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


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#137

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 20:58
von mbockstette | 7.881 Beiträge | 6023 Punkte

Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Mal sehen welcher europäische Staat sich davon angezogen fühlen wird, sich dem anzuschließen was vom United Kindom noch übrig bleiben wird.

Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Auto-Deutschland steht unvorbereitet vor den katastrophalen Folgen des Volkswagen-Skandals, Frankreich dümpelt in einer nicht enden wollenden sozialistischen Flaute, das bitter-süße Italien verschuldet sich wie schon immer und das vereinigte Königreich erschrickt vor seiner Entscheidung und muss zu Recht befürchten, die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben. Aber manche schöpfen daraus Hoffnung auf eine bessere Alternative zur EU.



zuletzt bearbeitet 25.06.2016 21:20 | nach oben springen

#138

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:03
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Die jetzt in allen Medien wieder einmal losgetretene Pro EU Berichterstattung erinnert mich an die Kampagne zur Flüchtlingslawine. Einseitig, die Gegenargumente ignorierend, die Einheitskonsenssoße fordernd. Politik und Medien im wohlbekannten Filz: die classe politique at its best.


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#139

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:05
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #137
Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.


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#140

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:24
von teopred | 93 Beiträge | 93 Punkte

Zitat von Deichvogt im Beitrag #139
Zitat von mbockstette im Beitrag #137
Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.

Ich kann ja verstehen, daß im Bänksterviertel jetzt die Angst hochgeht.
Es ist abgestimmt und Uit ist Uit. Das sollte auch so bleiben!
Das wohlbemerkt in freier Abstimmung, die den Bürgern der BRD konsequent verweigert wurde. Felix Brittannia.
Sonst gäbe es weder Euro, noch zum Platzen aufgeblähte EU, samt der Abgreifer ohne Leistung. Brüche, sogar eklatante Brüche der Verträge, gäbe es auch nicht.
Mich kann die EU aber sowas von hinten lecken, das glaubt keiner.

Vertragsbrüchiges Gesindel, jedoch hochbezahlt. Das muss sich ändern.


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#141

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:44
von mbockstette | 7.881 Beiträge | 6023 Punkte

Zitat von Deichvogt im Beitrag #139
Zitat von mbockstette im Beitrag #137
Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.


Genau! Die jungen Leistungsträger sind sauer, dass ihnen die alten Leistungsempfänger mit ihrer Nach-uns-die-Sintflut-Haltung die Zukunft verbauen.


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#142

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:54
von Maga-neu | 23.154 Beiträge | 66045 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #141
Zitat von Deichvogt im Beitrag #139
Zitat von mbockstette im Beitrag #137
Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.


Genau! Die jungen Leistungsträger sind sauer, dass ihnen die alten Leistungsempfänger mit ihrer Nach-uns-die-Sintflut-Haltung die Zukunft verbauen.

rofl.


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#143

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:56
von Maga-neu | 23.154 Beiträge | 66045 Punkte

Zitat von Deichvogt im Beitrag #138
Die jetzt in allen Medien wieder einmal losgetretene Pro EU Berichterstattung erinnert mich an die Kampagne zur Flüchtlingslawine. Einseitig, die Gegenargumente ignorierend, die Einheitskonsenssoße fordernd. Politik und Medien im wohlbekannten Filz: die classe politique at its best.

Was hast du erwartet? Jetzt demonstrieren die Bankster für die Unabhängigkeit Londons. :-)


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#144

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:58
von Maga-neu | 23.154 Beiträge | 66045 Punkte

Zitat von Deichvogt im Beitrag #130
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.

Ich frage mich, wie die mit einem mal wie Kai aus der Kiste aufspringenden Kritiker von Volksentscheidungen zu einem schottischen Refetendum stehen werden.

Seien wir doch ehrlich Diese Kritiker sind nichts als politische Opportunisten, die jeden Egon Krenz alt aussehen lassen

Ein solcher Vergleich ist aber unfair - gegenüber Egon Krenz.


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#145

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 21:59
von teopred | 93 Beiträge | 93 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #141
Zitat von Deichvogt im Beitrag #139
Zitat von mbockstette im Beitrag #137
Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.



Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.


Genau! Die jungen Leistungsträger sind sauer, dass ihnen die alten Leistungsempfänger mit ihrer Nach-uns-die-Sintflut-Haltung die Zukunft verbauen.

Wenigstens kommen bei uns die Hoffnungsträger, Ingenieure, Fachkräfte und Triebtäter an ... das bringt die BRD wirklich weit voran. Danke Mutti.

Rente wurde von leistungslosen Politikern verbraten, muss auch heissen, nun ist es eben weg. Dann ist Schluss mit Lustig auf Kosten der Kinder.


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#146

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 22:01
von Maga-neu | 23.154 Beiträge | 66045 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen,



Richtig, die Leistung liegt nicht in der Verhinderung, sondern im Schüren von Konflikten, wie zuletzt in der Ukraine. Jetzt versucht man die Schotten und Nordiren, die selbst zwischen Loyalisten und Republikanern gespalten sind, gegen das UK aufzustacheln. Natürlich im Namen von "Europa" und europäischen Werten. Fuck the Eurocrats.


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#147

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 22:41
von mbockstette | 7.881 Beiträge | 6023 Punkte

Zitat von teopred im Beitrag #140
Zitat von Deichvogt im Beitrag #139
Zitat von mbockstette im Beitrag #137
Zitat von Deichvogt im Beitrag #136
Zitat von mbockstette im Beitrag #126
Zitat von Landegaard im Beitrag #125
Zitat von mbockstette im Beitrag #124
Zitat von Landegaard im Beitrag #123
Zitat von Nadine im Beitrag #116
Zitat von mbockstette im Beitrag #115
Zitat von Nante im Beitrag #111
Zitat von nahal im Beitrag #109
Mein Sohn, der Mark, der beruflich damit zu tun hat, sagte, UK würde langfristig davon profitieren, der REST-EU nicht.
Ich habe ihm das nicht geglaubt.

Das könnte passieren, wenn die EU den Briten die Vorteile des gemeinsamen Marktes läßt und diese die Nachteile eliminieren. Die Linie der EU muß es sein, den Briten diese Entscheidung so sauer wie möglich zu machen. Ohne diese Linie ist die EU endgültig zum Scheitern verurteilt.


Der Schaden für das UK könnte so schwerwiegend ausfallen, dass dem UK das Scheitern droht. Wenn die mal nicht eine Lawine los getreten haben, unter der sie selbst begraben werden. Wenn das Vereinigte Königreich nach seinem Ausscheiden nicht wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, dann war die gestrige Volksabstimmung der Weckruf nach einem integrierten Europa. Die viel bemühten und gepriesenen Vaterländer sind ohne eine Mutter Europa nichts als politische Halbstarke ohne Gewicht und Valeur.


Wenn Schotten und Nordiren entscheiden, in der EU zu bleiben, dann könnte das der Anfang des Auseinanderbrechens Großbritanniens sein. Möglicherweise ist die Wiedervereinigung der Iren dann auch kein so unrealistisches Szenario.


Es geht schon los:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/br...-a-1099774.html

Unsere Presse positioniert sich allerdings eindeutig: Wer gerade Volksentscheide fordert, ist Rechtspopulist. Ich hadere da noch etwas, Volksentscheide standen bei mir noch nie unter dem Verdacht, was für Diktatoren zu sein. Aber man lernt ja nie aus. Ich kann mich übrigends noch immer nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob ich Teil dieser EU sein will.

Das hat Kohl so durchgesetzt, weil sonst Krieg, Untergang oder schlimmeres anstand. Die guten alten unpopulistischen Argumente halt, als es noch keine Rechtspopulisten gab, die allerorten bekämpft werden müssen.

Nicht, dass ich für ein Auseinanderbrechen der EU wäre. Aber so, wie gerade mit der stetig gewachsenen Unzufriedenheit mit der EU umgegangen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass die Skepsis weniger wird, im Gegenteil.

Langfristig wird sich niemand verbieten lassen, eine Abstimmung wie die Briten durchzuführen. Die EU sollte ihre Mühe eher in die Überzeugung der Menschen investieren, als zu versuchen, das zu einem undemokratischen Verfahren zu deuten. Ein Volksentscheid der für eine EU-Mitgliedschaft endet ist ja nichts, wovor eine überzeugende EU Angst haben müsste.


Die Abstimmung über einen EU-Austritt hatte nicht primär mit der Unzufriedenheit der Briten mit Brüssel zu tun, sondern wurde aus innenpolitischen Macht-Gründen von Cameron aufs Trapez gebracht. Das war schon die zweite Abstimmung auf der Insel zu britischen EU-Mitgliedschaft. Die EU ist kein Wanderzirkus, auch wenn in Brüssel des öfteren Kasperletheater dargeboten wird. Über Jahre hinweg hatte sich Paris gegen einen britischen EU-Beitritt gesperrt und wie sich im Nachhinein zeigt war das nicht unbegründet. London sah stets seine Rolle in der Gemeinschaft darin, diese an einer effektiven politischen Integration zu behindern.

Brüssel wird auch zu unrecht zur europäischen Müllhalde umfunktioniert, wo jeder seinen Frust abladen kann. Das ist billig und kommt doch alle teuer zu stehen. Vor dem was der europäische Vereinigungsprozess an Gutem bewirkt hat, davor verblassen seine Fehler und Versagen zur Petitesse.


Davon sehe ich vieles ähnlich, ist mir aber in der Grundaussage zu pauschal. Es ist einfach für die EU, jeden Misserfolg als von den Nationen begründet darzustellen. So nimmt man sich selbst bestens aus der Verantwortung. Eher ein Indiz für die fehlende Bodenhaftung der EU-Oberen als eine Kritik an die quengeligen Nationalstaaten.

Was die großen Erfolge der EU betrifft, sehe ich auch so. Das allerdings begründet es nicht, die nächsten Jahrzehnte weiterzumachen, wie bisher. Für die jüngere Generation ist die Abwesenheit von Kriegsgelüsten gegen europäische Nachbarn eine Selbstverständlichkeit und nichts, weswegen man sich ewig eine zweifelhafte Mammut-EU mit zweifelhafter demokratischer Legitimation und einer Politik gönnen will, die keine Erfolge mehr erziehlt, sondern ihre Daseinsberechtigung in der Historie begründet. Wir reden hier nicht von einem Königshaus.


Die Leistung der EU liegt weniger in der Verhinderung nationaler Konflikte in Europa, da spielten die NATO bzw. die KSZE (OSZE) die ersten Geigen, die EU ist zu aller erst die Basis wirtschaftlichen Erfolgs, eines erweiterten europäischen Bewusstsein und vielfältiger Freiheiten und Vergünstigungen, sowie bisher nicht gekannter Möglichkeiten der freien Entfaltung innerhalb der Gemeinschaft.

Das Problem liegt nicht nur in bürgerferner Bürokratie und der Beschränkung direkter demokratischer Mitwirkung bei elementaren Entscheidungsprozessen sondern darin, dass das Erreichte als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Der EU droht nicht ein Zerfall weil es zuviel davon gibt, so wie die Briten argumentieren, sondern weil ihr auf halber Strecke der Treibstoff zu neige geht. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen und der Schaden kann nur noch einem sinnvollen Zweck dienen, nämlich dem klüger zu werden bzw. klüger zu handeln. Mein Herz hängt an einem integrierten Europa. Die EU präsentiert sich zurzeit in Stagnation die überwunden werden kann und muss, denn ein Europa mit zerstörter EU, das wäre nicht weniger als ein irreparabler Rückschritt.


So wie seinerzeit die Existenz des gesellschaftlichen Gegenentwurfes des Ostblocks den Westen zu einer Politik des sozialen Ausgleichs und finanzieller Teilhabe zwang, so halte ich einen Konkurrenzentwurf für Europa mit sich den Briten anschließenden Staaten für eine äußerst segensreiche Entwicklung. Weg vom Politikmonopol der EU in Europa. Das Ende der propagierten aber unbegründeten Alternativlosigkeit. Hin zur belebenden Konkurrenz.


Überraschende Petition nach Brexit-Votum
Hunderttausende fordern Unabhängigkeit Londons

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politi...t-londons-.html

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.


Ich kann ja verstehen, daß im Bänksterviertel jetzt die Angst hochgeht.
Es ist abgestimmt und Uit ist Uit. Das sollte auch so bleiben!
Das wohlbemerkt in freier Abstimmung, die den Bürgern der BRD konsequent verweigert wurde. Felix Brittannia.


Die freie Abstimmung in allen Ehren, war eine Volksbefragung ohne jede rechtliche Bindewirkung. Die Regierung kann der knappen Mehrheit folgen und die EU-Mitgliedschaft mit einer zweijährigen Frist kündigen, sie kann aber auch für Neuwahlen, mit dem Ziel ein anderes Votum in der EU-Frage zu erzielen, plädieren. So wie sich das Vereinigte Königreich nach dem knappen Ja zum Brexit im Augenblick darstellt, ist von vereinigt nicht mehr viel übrig, nicht wahr? Die insularen EU-Gegner haben der EU eins vor den Bug geschossen, versenkt haben sie aber möglicherweise tatsächlich ihr eigenes Königsreich - ein solches Übermaß an Glück widerfährt god old Brittannia nicht alle Tage.


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#148

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 22:50
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von mbockstette im Beitrag #141
Zitat von Deichvogt im Beitrag #139

Das lief auch schon im DLF. Grotesk. Was für eine Hilflosigkeit der EU Jünger. Und was für eine Wut.


Genau! Die jungen Leistungsträger sind sauer, dass ihnen die alten Leistungsempfänger mit ihrer Nach-uns-die-Sintflut-Haltung die Zukunft verbauen.


Nö, wer hat den Jungen denn ihre Welt aufgebaut? Ihre Altvorderen...


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#149

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 22:53
von Deichvogt | 1.812 Beiträge | 1812 Punkte

Zitat von Maga-neu im Beitrag #143
Zitat von Deichvogt im Beitrag #138
Die jetzt in allen Medien wieder einmal losgetretene Pro EU Berichterstattung erinnert mich an die Kampagne zur Flüchtlingslawine. Einseitig, die Gegenargumente ignorierend, die Einheitskonsenssoße fordernd. Politik und Medien im wohlbekannten Filz: die classe politique at its best.

Was hast du erwartet? Jetzt demonstrieren die Bankster für die Unabhängigkeit Londons. :-)


Vielleicht treten sie noch zum Katholizismus über und rufen den Papst, die Schotten, die Franzosen und das allerheiligstee Spanien zur Hilfe, hahahahahahahahahaha...


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#150

RE: Kleinkariert und revanchistisch.

in Politik 25.06.2016 22:54
von Maga-neu | 23.154 Beiträge | 66045 Punkte

Zitat von Deichvogt im Beitrag #149
Zitat von Maga-neu im Beitrag #143
Zitat von Deichvogt im Beitrag #138
Die jetzt in allen Medien wieder einmal losgetretene Pro EU Berichterstattung erinnert mich an die Kampagne zur Flüchtlingslawine. Einseitig, die Gegenargumente ignorierend, die Einheitskonsenssoße fordernd. Politik und Medien im wohlbekannten Filz: die classe politique at its best.

Was hast du erwartet? Jetzt demonstrieren die Bankster für die Unabhängigkeit Londons. :-)


Vielleicht treten sie noch zum Katholizismus über und rufen den Papst, die Schotten, die Franzosen und das allerheiligstee Spanien zur Hilfe, hahahahahahahahahaha...

Das allerheiligste Spanien ist selbst immer von dem Auseinanderbrechen bedroht. Und über diesen Papst äußere ich mich nicht...


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